Interview: Zeit mit Großeltern stärkt Sozialkompetenz

Wenn Großeltern bei Betreuung helfen, können alle profitieren - aber das ist zu beachten

Viele Großeltern unterstützen die Berufstätigkeit ihrer Kinder, indem sie bei der Betreuung der Enkel helfen. Doch wenn Oma und Opa miterziehen, kann es auch zu Konflikten kommen, treffen doch zwei Generationen mit ihren Vorstellungen von Erziehung aufeinander. Friederike Höhndorf, Individualpsychologische Beraterin und Elterntrainerin aus Schemmerhofen, erklärt im Gespräch mit Birgit van Laak, was es zu beachten gilt, damit es für Großeltern, Eltern und Kinder eine gute Lösung wird.
Frau Höhndorf, welche grundlegenden Unterschiede gibt es zwischen dem Erziehungsstil der heutigen Elterngeneration und dem der Großelterngeneration?
Der Erziehungsstil junger Eltern ist zunehmend geprägt von der Idee, „ziemlich beste Freunde“ ihrer Kinder zu sein. Dieses Bild vom Elternsein hatte die Großelterngeneration nicht. Der gefühlte Abstand zwischen der Eltern- und Kindergeneration ist kleiner geworden, das zeigt sich insbesondere bei älteren Kindern. Sie demonstrieren nicht gegen die Elterngeneration, sondern zusammen oder mit Unterstützung ihrer Eltern. Die Ablösung findet weniger heftig und oft viel später statt. Auf die Großeltern wirkt das vermutlich oft befremdlich.
Welche Unterschiede gibt es in der Erziehung kleiner Kinder?
Vom früheren Erziehungsstil unterscheidet sich das Ausmaß, in dem Kinder beaufsichtigt werden. Heute geschieht das sehr engmaschig. Und die jungen Eltern erwarten oft von den Großeltern, dass sie das bei der Betreuung der Enkel auch so handhaben. Diese tun sich damit schwer, weil sie ihren Kindern damals viel Freiraum gelassen hatten. Andererseits gibt es natürlich auch Großeltern, die die Enkel nicht aus den Augen lassen, weil sie geradezu überängstlich sind. Deshalb ist es immer gut, wenn sich die Großeltern mit den Eltern austauschen, wenn sie sich in diesen Dingen unsicher fühlen.
Soll man Diskussionen über Erziehungsfragen anfangen?
Lieber nicht. Aus Respekt vor einander und im Interesse des Enkelkinds, das nicht zwischen die Mühlen geraten soll, sollte man sich da zurückhalten. In Erziehungsfragen gilt: Was die Eltern wollen, hat Vorrang. Es gilt zu respektieren, dass sie es auf ihre Weise gut machen. Ratschläge sollte man nur geben, wenn man darum gebeten wird.
Großeltern möchten ihre Enkel gerne auch ein bisschen verwöhnen - etwa mit dem Extra-Eis oder dem kleinen Geschenk. Ist das okay?
Ich finde, ein bisschen verwöhnen darf sein. Wenn man aber das Gefühl hat, es ist den Eltern nicht recht, sollte man nachfragen. Im Gespräch muss jede Seite deutlich sagen, was sie bereit ist zu akzeptieren, und wo es schwierig wird, zum Beispiel bei der Mediennutzung oder mit Süßigkeiten. Man kann auch die Regelungen treffen, dass Extrageschenke, etwa ein kleines Spielzeug, im Haus der Oma bleiben und nur dort zur Verfügung stehen. Wichtig ist, dass man die Kinder nicht mit Geschenken überhäuft.
Durch die Betreuung rücken Großeltern wieder näher an die Eltern heran, sie bekommen viele Alltagskleinigkeiten mit. Da ist die Versuchung groß, gut gemeinte Ratschläge zu geben, angefangen, von der Systematik, nach der die Spülmaschine befüllt wird, bis zur Ordnung im Flur ...
Wer meint, im Haushalt Tipps geben zu müssen, kommt immer gleich besserwisserisch herüber. Da heißt es für die Großeltern: lieber den Mund halten. Sie müssen respektieren, wie Tochter oder Sohn ihr Leben organisieren. Es gilt zu akzeptieren, wenn die anderen keinen Rat wollen. Großeltern, denen das schwerfällt, sollten sich überlegen, ob sie das früher mochten, wenn ihnen hineingeredet worden ist.
Abseits der großen Erziehungsfragen hat jeder seine Art, Alltagsdinge zu handhaben. Müssen Großeltern sich da dem Rhythmus und den Vorstellungen der Eltern anpassen?
Nein, natürlich nicht. Jeder hat Regeln, die in seinem Haus gelten und die der andere zu akzeptieren hat. Wenn das Handy auf dem Esstisch nicht erlaubt ist oder der Fernseher ausbleibt, dann ist das so, auch wenn das Enkelkind es zu Hause anders erlebt.
Kinder versuchen gern mit dem Argument „Bei Mama darf ich das auch“ etwas zu erreichen. Wie reagiert man da am besten?
Man kann sagen: „Dann freue dich auf heute Abend, dann darfst du es wieder, wenn du daheim bist.“ Und eventuell kann man darüber ja mal in einer ruhigen Minute mit der Mutter des Kindes sprechen.
Wie geht man damit um, wenn man sich übereinander ärgert? Eltern sind ja oft auf die Hilfe bei der Betreuung ihrer Kinder angewiesen und wollen deshalb keinen Streit heraufbeschwören.
Eltern wie Großeltern sollten nicht um des lieben Friedens willen Konflikte unter den Teppich kehren. Wenn sich etwas angestaut hat, ist es gut, darüber zu sprechen. Wichtig ist, dass das wertschätzend erfolgt. Man bedankt sich, dass einem die Kinder anvertraut werden und formuliert sein Anliegen ohne Vorwürfe. Zum Beispiel könnte man einen Satz mit einer Frage beginnen: Magst Du hören, was für mich zunehmend schwierig wird? Auf keinen Fall sollte man über WhatsApp Konflikte austragen, da geht es schnell hin und her und der Tonfall stimmt bald nicht mehr.
Inwiefern profitieren die Enkel von der Betreuung durch die Großeltern?
Die soziale Kompetenz der Kinder wächst, weil sie mit weiteren wohlwollenden Menschen zusammen sind und sie sich auf unterschiedliche Regeln in unterschiedlichen Häusern einstellen müssen. Sie profitieren davon, dass sie noch mehr Menschen um sich haben, an denen sie sich orientieren können. Von den Großeltern bekommen sie andere Antworten. Oma und Opa können Dinge, die die Eltern vielleicht nicht so gut beherrschen, etwa im handwerklichen Bereich. Und die Großeltern haben die Zeit, etwas Aufwendigeres mit ihnen zu basteln. Die Erfahrung, dadurch ein größeres Projekt zu schaffen, ermutigt die Kinder.
Inwiefern profitieren die Großeltern?
Sie haben mehr Zeit und weniger Alltagsdruck als damals, als ihre Kinder noch klein waren. Sie bekommen die Chance, sich in einer Form um die Kleinen zu kümmern, die früher nicht möglich war. Und es fällt ein weiterer Stressfaktor weg: Für die vielen kleinen Alltagsdinge, die Zeit fressen und Ärger machen, sind oft eher die Eltern zuständig.
Woran merken Großeltern, dass sie sich mit der Betreuung der Enkel zu viel zugemutet haben?
Ein Überforderungssignal ist, wenn sich die Freude auf das Enkelkind eintrübt. Dann gilt es zu schauen: Leidet die Gesundheit oder bleibt zu wenig Zeit für einen selbst? Spätestens dann ist ein Gespräch innerhalb der Familie wichtig, ob die Betreuungszeiten etwas reduziert werden können oder was alle gemeinsam sonst ändern können.
(Quelle: Schwäbische Zeitung)

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