In­ter­view: "Die Ar­beit geht uns nicht aus"

Das Großprojekt der Gemeinde in den vergangenen Jahren: die Mühlbachschulerweiterung.  Foto: Christoph Schneider

Schemmerhofens Bürgermeister Mario Glaser sieht 2019 große Aufgaben auf die Gemeinde zukommen

Schemmerhofen - Über das schnelle Wachstum der Gemeinde, die Mühlen der Bürokratie und den Blick in die Zukunft hat SZ-Redakteur Andreas Spengler mit Schemmerhofens Bürgermeister Mario Glaser gesprochen.
Schemmerhofen will auch im kommenden Jahr kräftig investieren. Gleichzeitig warnen Sie immer wieder davor, dass angestoßene Investitionen kaum zurückgedreht werden können. Lebt die Gemeinde über ihre Verhältnisse?
Nein, wir schaffen es, unsere Pflichtaufgaben und auch viele Freiwilligkeitsaufgaben zu erledigen. Richtig ist, dass wir ein hohes Investitionstempo haben - auch bedingt durch eine zunehmende Bevölkerung. Aktuell haben wir 8422 Bürger, als ich angetreten bin in Schemmerhofen 2012 waren es rund 7600. Fast ein kompletter Ortsteil ist dazugekommen.
Haben Sie eine Vorstellung davon, wie die Gemeinde in zehn Jahren aussehen soll?
Man kann die Entwicklung nur begrenzt steuern. Wir müssen glücklich sein, dass wir wachsen. Davon profitieren alle. Mit den Einwohnern steigen auch unsere Erträge. Wir bewegen uns inzwischen in einer Größenordnung von Schussenried und Ochsenhausen. Meine Vorstellung von Schemmerhofen in der Zukunft ist, dass wir unsere dezentralen Strukturen und die Angebote in allen Ortsteilen gleichermaßen hochhalten. Von Nahversorgung über Breitband bis zur Erreichbarkeit von öffentlichen Einrichtungen.
Sie wollen in den kommenden Jahren elf neue Baugebiete in Angriff nehmen. Können Sie das konkretisieren?
Das sind nicht nur Wohnbaugebiete, sondern auch Gewerbe-, Misch- und Sondergebiete zum Beispiel für Photovoltaikanlagen. Das Baugebiet in Aßmannshardt wollen wir nächstes Jahr planerisch umsetzen und erschließen. Darüber hinaus ist geplant, in Altheim ein Baugebiet auf den Weg zu bringen, das wäre 2020 denkbar. In den Folgejahren ab 2021/22 wollen wir insgesamt zwei größere Wohnbaugebiete in Ingerkingen und Schemmerberg umsetzen. Wir planen auch in Schemmerhofen ein weiteres Gebiet. Aber das ist eher perspektivisch und noch nicht spruchreif.
Als eines der größten Projekte gilt der Breitbandausbau. Nachholbedarf hat die Gemeinde vor allem in Schemmerberg und Altheim. Wie sieht der weitere Zeitplan aus?
Wir sind im Vergleich zu anderen schon sehr gut aufgestellt. Das Land Baden-Württemberg definiert schnelles Internet zurzeit mit 30 Mbit flächendeckend. Das haben wir jetzt schon flächig in allen Ortsteilen bis auf Schemmerberg und Altheim. In Altheim werden jetzt durch die Telekom die MVZs angefahren, nachdem wir die FttB (Glasfaser bis zum Haus)-Leerrohre im Zuge der Gaserschließung gemacht haben. Das heißt, Altheim wird in 1,5 Jahre der am besten ausgebaute Ortsteil sein. Wir werden nun Schemmerberg schon 2019 in Angriff nehmen mit der Ortsdurchfahrt zur Schule. Das sind zunächst circa 800 Meter und wird dann 2020 weitergehen.
Wie hoch sind die Kosten für den gesamten Breitbandausbau?
Wenn wir einen Gesamtausbau ohne Mitverlegung machen und wirklich jedes Haus ausbauen würden, wären wir mit etwa 20 Millionen Euro unterwegs. Wir haben vor, die nächsten fünf bis zehn Jahre jährlich etwa einen Betrag von einer Million Euro zu investieren. Dafür erhalten wir noch Fördermittel. Und irgendwann dann auch die Einnahmen aus der Pacht. Dann wird das langfristig zumindest in geringem Umfang ein einträgliches Geschäft werden.
Was läuft da eigentlich schief, wenn zwei Mal hintereinander die Straßen aufgerissen werden wie jetzt in Altheim, wo die Telekom nachträglich die Straße aufmacht und Leerrohre verlegt?
Das nennt sich Wettbewerb. Eigentlich muss es ja der Markt regeln und die Gemeinde darf erst ausbauen, wenn der Markt versagt. Und oft ist es leider so, dass, sobald die Gemeinden mit Fördergeldern rangehen und Infrastruktur ausbauen, der private Unternehmer - das ist nicht nur die Telekom - merkt, dass ihm der Markt verloren geht, die Felle davonschwimmen, und dann nachzieht.
Die Mühlbachschule ist nahezu fertiggestellt. Das haben Sie ja auch immer als wichtigen Baustein für die Hochstufung zum Unterzentrum genannt. Welchen Nutzen hätte das konkret für die Bürger?
Die Empfehlung im Regionalplan ist, Schemmerhofen als Unterzentrum auszuweisen. Das wird dann wohl wirksam werden mit der nächsten Fortschreibung des Regionalplans. Bis dahin geht aber noch etwas Zeit ins Land. Als Unterzentrum hat man andere Möglichkeiten planerischer Art, was die Ansiedlung von Handel und Gewerbe angeht. Man bekommt auch mehr politischen Einfluss.
Das heißt, Sie wollen langfristig mehr Gewerbe nach Schemmerhofen bringen?
Unsere primäre Aufgabe ist es, dem Gewerbe vor Ort die Möglichkeiten zu bieten zu wachsen. Wir wollen nicht unbedingt einen großen Gewerbetreibenden nach Schemmerhofen locken. Da haben wir auch gar nicht die Möglichkeiten und die Fläche. Aber es wird immer wieder auch den einen oder anderen geben, der sich bei uns ansiedelt.
Beim Kitaausbau hat sich im vergangenen Jahr einiges getan. Ist die Gemeinde damit vorbereitet auf die Zukunft?
Mit der neuen Kita sind wir für die nächsten Jahre - Gott sei Dank - gut aufgestellt. Es ist aber immer schwierig vorauszuplanen. Zumindest haben wir dann aber endlich mal die komfortable Situation, dass wir nicht mehr wie bisher in jeder Einrichtung auf Kante genäht sind.
Im Eilverfahren hat die Gemeinde dieses Jahr zwei Dämme in Altheim und Schemmerberg fertiggestellt, ohne auf mögliche Landeszuschüsse zurückzugreifen. Mahlen die Mühlen der Bürokratie im Land Ihnen manchmal zu langsam?
In den vergangenen Jahren ist es schwieriger geworden, Planungen umzusetzen. Das hat nicht nur mit den Behörden zu tun, sondern auch mit Interessen unterschiedlichster Art. Das will ich gar nicht negativ bewerten. Bei den Dämmen haben wir uns dazu entschieden, dass es schnell gehen muss. Das hieß aber immer noch 1,5 Jahre. Allein schon die planerische Vorbereitung mit den Genehmigungen dauert. Wir sind aber auch nie fertig mit dem Thema Starkregen- und Hochwasserschutz. Auch in Ingerkingen sind wir gerade an einer Fläche dran, um die Hochwassergefahr am Rotbach in den Griff zu bekommen.
Was ist dort geplant?
Im Zuge eines möglichen Baugebiets kommen wir vielleicht an eine Fläche, um ein größeres Rückhaltebecken am östlichen Ortseingang von Ingerkingen zu ermöglichen.
Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte in diesem Jahr?
Mit Sicherheit der Abschluss der Mühlbachschule nach 4,5 Jahren. Aber es gab auch immer wieder viele kleine Begegnungen, zum Beispiel als ich bei einer diamantenen Hochzeit sein durfte. Ganz privat war mein Höhepunkt, dass wir dieses Jahr zum vierten Mal Nachwuchs bekommen haben.
Welche Projekte stehen denn 2019 an?
Ein bunter Strauß an Projekten: Der Abschluss des Kitabaus in der Lindenstraße; die Baugebiete in Aßmannshardt und in Schemmerhofen der Meisenweg, die Erschließung der neuen Zufahrt zur Mühlbachschule gegebenenfalls mit Fußgängerampel. Der Weetweg steht im Haushalt, da warten wir noch auf Fördermittel. Dann wollen wir die Dorfmitte in Ingerkingen endlich umsetzen. Der Vertrag ist unterschrieben, jetzt geht es an die Realisierung. Zudem wollen mit der Planung der Halle in Ingerkingen beginnen. Wir müssen schauen, ob wir neu bauen wollen oder sanieren. Die Arbeit geht uns also nicht aus.
(Quelle: Schwäbische Zeitung)

Energetische Sanierung - Straßenbeleuchtung

Zuwendung des Bundes für die Sanierung der Straßenbeleuchtung mittels LED-Technik 2017

Link (243,2 KB)

Zuwendung des Bundes für die Sanierung der Straßenbeleuchtung mittels LED-Technik 2018

Link (247,4 KB)

Zuwendung des Bundes für die Sanierung Innen- und Hallenbeleuchtung im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative

Link (223,3 KB)

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen zur Festlegung der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (FFH-Verordnung – FFH-VO)

FFH-Verordnung (155,9 KB)

Imagefilm

Einheitlicher Zahlungsverkehr SEPA

Weiterführende Informationen zu SEPA finden sich auf den folgenden Internetseiten: